Das Problem liegt nicht in den Abteilungen, sondern dazwischen

In vielen Unternehmen sind die einzelnen Bereiche für sich genommen stark. Der Vertrieb verkauft, die Produktion liefert, die Entwicklung entwickelt, jeder macht seine Arbeit ordentlich. Und trotzdem hakt es. Nicht innerhalb der Abteilungen, sondern an den Stellen, wo sie zusammenarbeiten müssten. Informationen bleiben liegen, Zusagen werden gemacht, die anderswo nicht bekannt sind, und am Ende schiebt ein Bereich dem anderen die Schuld zu.

Das nennt man Silos: Abteilungen, die nebeneinander arbeiten statt miteinander. Jede optimiert ihren eigenen Bereich, und die Übergänge zwischen den Bereichen fallen hinten runter. Das ist kein Zeichen von schlechten Mitarbeitern. Es ist ein strukturelles Problem, und es entsteht fast zwangsläufig, wenn ein Unternehmen wächst.

Warum Silos gerade im Mittelstand entstehen

In einem kleinen Unternehmen gibt es keine Silos, weil sich alle kennen und ohnehin ständig miteinander reden. Man sitzt im selben Raum, jeder weiß, woran der andere arbeitet. Sobald ein Unternehmen aber wächst, entstehen Abteilungen, Ebenen und feste Zuständigkeiten. Das ist notwendig, sonst wird es unübersichtlich. Aber mit jeder neuen Grenze wird die Zusammenarbeit über diese Grenze hinweg schwieriger.

Dazu kommt ein zweiter Effekt: Jede Abteilung bekommt ihre eigenen Ziele. Der Vertrieb wird am Umsatz gemessen, die Produktion an Effizienz, der Einkauf an Kosten. Jeder verfolgt seine Ziele, und genau das führt zu Konflikten, weil die Ziele sich manchmal widersprechen. Der Vertrieb will Sonderwünsche zusagen, die Produktion will standardisieren. Beide handeln richtig, gemessen an ihren Zielen, und trotzdem reiben sie sich.

In gewachsenen Familienunternehmen kommt oft noch ein historischer Faktor dazu. Manche Bereiche sind über Jahrzehnte gewachsen, haben ihre eigene Kultur und ihren eigenen Stolz entwickelt. Das ist eine Stärke, kann aber die Abgrenzung zwischen den Bereichen zusätzlich verhärten.

Woran Sie erkennen, dass Sie ein Silo-Problem haben

Einige typische Anzeichen: Zwischen zwei Abteilungen herrscht ein Dauerkonflikt, der immer wieder aufflammt. Informationen müssen mehrfach nachgefragt werden, weil sie nicht von selbst weitergegeben werden. Projekte, die mehrere Bereiche betreffen, dauern auffällig lange oder versanden. Bei Problemen hört man öfter, das sei nicht die eigene Zuständigkeit. Und Kunden bekommen von verschiedenen Abteilungen unterschiedliche Aussagen.

Wenn Ihnen das bekannt vorkommt, liegt das Problem selten an einzelnen Personen. Es liegt daran, dass niemand die Zusammenarbeit zwischen den Bereichen bewusst gestaltet hat.

Was gegen Silos hilft

Der erste Hebel sind gemeinsame Ziele über Bereichsgrenzen hinweg. Solange jede Abteilung nur an ihren eigenen Kennzahlen gemessen wird, wird sie ihre eigenen Kennzahlen optimieren. Ein gemeinsames Ziel, für das mehrere Bereiche zusammen verantwortlich sind, verändert das Verhalten mehr als jeder Appell zur Zusammenarbeit.

Der zweite Hebel sind klare Übergaben. Viele Silo-Konflikte entstehen an genau definierbaren Schnittstellen, etwa der Übergabe vom Vertrieb an die Produktion. Wenn man diese Übergänge einmal gemeinsam durchgeht und klärt, wer wann was liefert, verschwindet ein großer Teil der Reibung.

Der dritte Hebel ist schlicht Kontakt. Menschen arbeiten besser mit denen zusammen, die sie kennen. Bereiche, deren Mitarbeitende sich nur per E-Mail begegnen, entwickeln leichter Vorurteile übereinander als Bereiche, die regelmäßig miteinander im Raum sitzen. Manchmal ist der wirksamste Schritt gegen ein Silo, die Beteiligten überhaupt einmal an einen Tisch zu bringen.

Silos sind ein Führungsthema

Der wichtigste Punkt zum Schluss: Silos lösen sich nicht von selbst auf. Kein Bereich wird freiwillig sein eigenes Ziel zugunsten des Ganzen zurückstellen, wenn niemand das Ganze in den Blick nimmt. Das ist Aufgabe der Führung. Sie muss die gemeinsamen Ziele setzen, die Schnittstellen klären und dafür sorgen, dass Zusammenarbeit über Grenzen hinweg nicht nur gewünscht, sondern auch belohnt wird. Wo das gelingt, wird aus einem Nebeneinander von starken Abteilungen ein Unternehmen, das an einem Strang zieht.

Wo hakt es bei Ihnen?

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