Warum eine Organisation keine Maschine ist – und was wir von Mintzberg (wieder) lernen können

Wie muss eine Organisation heute strukturiert sein, um beweglich, wirksam und resilient zu sein? Diese Frage stellen sich viele. Die meisten beantworten sie immer noch mit: „Kommt drauf an.“ Henry Mintzberg sagt: Stimmt – aber es kommt auf mehr an als nur Bauchgefühl.

In seinem aktuellen Artikel in der California Management Review bringt er auf den Punkt, was viele spüren – aber kaum jemand klar benennt:

👉 Es gibt nicht den einen besten Weg. Aber es gibt vier Muster, die Orientierung geben.


Vier Formen, die (fast) jede Organisation beschreiben können

 Mintzberg beschreibt vier Grundformen von Organisationen:


Die Personal Enterprise – rund um eine einzelne Person gebaut. Visionär, zentralisiert, unternehmerisch.

Die Programmed Machine – standardisiert, effizient, strukturiert. Klassisch: Massenproduktion, Behörden, große Konzerne.

Die Professional Assembly – viele Einzelprofis, wenig Hierarchie. Autonomie durch Fachlichkeit, typisch für Unis, Kliniken, Kanzleien.

Der Project Pioneer – projektbasiert, kreativ, fluide. Innovation durch dynamische Netzwerke, typisch für Agenturen, Forschungsteams, Startups.


Diese Formen sind keine Schubladen, sondern Denkwerkzeuge. Sie helfen uns, Organisationen besser zu verstehen – und gezielter zu entwickeln.

 

Strukturen sind nie neutral

 Was Mintzberg betont: Jede dieser Formen bringt eine eigene Art des Führens, Entscheidens und Strategiebildens mit. Und: Sie beeinflussen, wie Menschen sich erleben – ob als Rädchen, als Freigeist oder als Teamplayer. Gerade bei Transformationsprojekten ist das zentral. Denn:

 Wer an der Oberfläche „agil“ einführt, aber im Kern ein Maschinenmodell beibehält, wird keine echte Veränderung spüren.


Hybride sind Realität – und Chance

 Die meisten Organisationen sind Mischformen. Und das ist gut so. Ein Pharmaunternehmen kann in der Forschung ein Project Pioneer sein, in der Entwicklung eine Professional Assembly und in der Produktion eine Programmed Machine. Diese Komplexität zu gestalten ist keine Schwäche – sondern die eigentliche Aufgabe moderner Organisationsentwicklung.


Struktur ist kein Organigramm – sondern ein Dialog

 Mintzberg plädiert zum Schluss für ein neues Verständnis von Organisation: 

Nicht Design Thinking – sondern Design Doing.

 Weg vom Reißbrett, hin zum echten Dialog mit denen, die die Strukturen leben und bewegen. Organisationen entstehen, wenn Menschen Wege finden – und manchmal auch neue Pfade treten.

 

Mein Blick darauf

 Ich arbeite seit Jahren bei Großkonzernen und KMUs an genau dieser Schnittstelle: Struktur, Kultur, Strategie. Die vier Muster von Mintzberg sind für mich ein starkes Werkzeug – nicht als Schablone, sondern als gemeinsame Sprache, um Organisationen zu spiegeln und weiterzuentwickeln. Deshalb habe ich auf dieser Grundlage meinen Organisationsnavigator entwickelt. Ein Modell, das hilft, sich als Organisation klarer zu verorten – und gezielt in Bewegung zu kommen.

 

 🔗 Artikel von Mintzberg: California Management Review, 2024



Interesse geweckt?

Wir freuen uns darauf, Ihre Ideen und Fragen gemeinsam zu besprechen.